Ein Jahr geht nach dem andern hin

1)
Ein Jahr geht nach dem andern hin,
der Ewigkeit entgegen.
Ach, möchte doch der träge Sinn
dies fleißiger erwägen!
Ach, brächte doch ein jedes Jahr
viel neue, gute Früchte dar!

2)
Allein, allein, wo ist die Frucht,
die wir bisher getragen?
Wie oft hat Gott umsonst gesucht!
Wie hat er müssen klagen!
Es tat ihm weh, wenn seine Hand
anstatt der Frucht nur Blätter fand.

3)
„Haut ab", spricht er, „den faulen Baum,
der keine Früchte traget!
Was nimmt er ändern Saft und Raum?
Komm, Tod, der alles schlaget.
Die Axt leg an die Wurzel an,
tu einen Streich, so ist's getan!"

4)
Allein der treue Heiland spricht:
„Lass ihn dies Jahr noch stehen!
Trägt er auch jetzt die Früchte nicht,
ich hoff sie noch zu sehen.
Ach, halt des strengen Urteils Lauf
noch dieses Jahr, mein Vater, auf!"

5)
So gib denn, lieber Heiland,
Kraft, dies Jahr viel Frucht zu bringen!
Ach, lass doch deines Geistes Saft
in unsre Zweige dringen!
Schutt doch auf uns und unser Haus
viel Gnade, Kraft und Segen aus!


Ich will dir danken! 161
 Noten, mehrstimmig, Akkorde
Text: Johann Jakob Rambach
Melodie: Johann Hermann Schein 1628
Themen: Jahresende
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