Wer ruft hinauf mich, Äther, zu dir empor?    

1) Wer ruft hinauf mich, Äther, zu dir empor?
Goldtrank ergießt sich hier aus der Urn' herab.
Dort tönt melodisch auch des Schwans Flug, -
duftet entzückter der Rose Tauglanz.

2) Der Himmelstochter, die Orionen haucht!
Gott, Gott, du bists, Allvater der Wesen, du!
Zahlloser Sand, zahllose Sterne,
Wasser und Wolken, und Erd' und Himmel.

3) Sie wurden, weil dein 'Werde' gebot, durch Tief'
und Höhe hauchte segnend dein 'Werde'. Rings
erfüllten alle Räume sich, scholl
der Myriaden gehobnes Loblied.

4) Sie sänken alle, zürnte dein Richterblick.
Doch über sie ruht milde Vaterhand,
und hell nun blühn Mond, Sonn' und Sterne,
wimmelndes Leben in ihrem Lichtkelch.

5) Froh prangt der Morgen, tanzet der Tag heran,
umwallt von Purpurwogen der frühen Glut.
Wie weckt er jeden Fleiß dann, dem auch
Segen verheißend, der wacker wirkt!

6) Viel hehrer dennoch, sternenumstrahlte Nacht,
bist du mir, wandelnd, heiligen Ernstes groß,
dein Genius von Stern zu Stern, bis
er, an der äußersten der Zentralsonn',

7) Hier ruht! Da spüret freudig erschrocken, ganz
geschaffen sich, Gott ähnlich der Staub, denn viel
unendlicher als diese Glanzwelt
schaut er des eignen Wesens Abgrund.

8) Des eignen Lebens großes Geheimnis wird
ihm offenbar. Mühwaltender Fleiß um Lohn
nicht bloß geschaffen, rühmt er sich jetzt
freier Unendlichkeit, freier Heros.

9) Rühmt so mit Recht sich, denn ihm gebot des Ruhms
erhabne Freude gütig der Götter Gott,
der seine Sterne zählen ihn hieß.
Wägen die Welten mit seiner Waage!

Text:
Melodie: Unbekannt