So spanne demnach deine Kräfte    

1) So spanne demnach deine Kräfte,
geweckter Geist, zu wahrer Andacht an!
Dies ist das edelste Geschäfte,
das eine Seel' auf Erden treiben kann.
Wenn sie sich in den Chor der Engel bringt
und ihrem Schatz ein Lied zu Ehren singt.

2) Auf, richte Sinnen und Gemüte
auf dessen Ruhm, der deinen Jammer wehrt.
Sein Name ist so voller Güte,
dass ihm mit Recht ein solches Lied gehört.
Sein Name ist ein Trost gekränkter Brust,
der Engel Spiel, des ganzen Himmels Lust.

3) Es ehren ihn die Cherubinen
und decken sich vor seinem Glanze zu.
Die muntre Schar der Seraphinen,
die ihn bedient, die weiß von keiner Ruh'.
Sie stimmet ihm ein ewig Loblied an,
die höchsten Engel sind ihm Untertan.

4) Es beugen sich in diesem Namen
die Kniee, die so Erd' als Himmel hegt.
Ihm wird von dem gerechten Samen
ein steter Eid der Treue abgelegt.
Ja, dieses ist des Vaters fester Schluss,
dass ihm noch jede Zunge schwören muss.

5) Die Wunderkraft, die in ihm stecket,
wird in der Ewigkeit erst aufgeklärt,
wo das, was jetzo noch verdecket,
uns der kristall'ne Strom zu sehn gewährt.
Wir lallen nur von seiner großen Kraft
bis seine Hand uns neue Zungen schafft.

6) Er ist ein Meer voll süßer Freude,
das weder Ziel, noch Grund, noch Ufer kennt,
das uns auch in dem größten Leide
erwünschten Trost und frohes Labsal gönnt.
Wohl dem, der sich in dessen Tiefen senkt,
der fühlt, dass ihn ein Strom der Wollust tränkt.

7) Er ist ein schloss, das ewig dauern,
das keine Macht der Hölle stürzen kann.
Es bieten seine festen Mauern
uns sichern Schutz und viel Beschirmung an.
Hier trotzt ein Christ Tod, Teufel, Höll' und Welt,
wenn sich ihr Heer vor seine Augen stellt.

8) Er ist der Baum, zu dem wir fliehen,
wenn unser Haupt des Kreuzes Sonne sticht.
Wir sehen ihn mit Freuden blühen,
die Anmut bleibt, die Blätter welken nicht.
Wer seine Frucht im Glauben stets genießt,
dem wird das Tränenbrot nach Wunsch versüßt.

9) Es ist der Tau, der den Geschwächsen
in ihre Haut und welken Adern fließt.
Der oft in unsre schlaffen Flechsen
gehäufte Kraft und neues Leben gießt.
Das Herze hüpft und springt in süßer Lust,
wenn ihm ein solcher Honigfluss bewusst.

10) Er ist der Zucker, der im Becher
des bittern Kreuzes auf dem Boden liegt.
Wird gleich vom Kreuz der Körper schwächer,
g'nug, dass der Geist vergnügte Stärkung kriegt.
G'nug, dass sein Trost die ganze Seel' ergötzt,
wenn sie den Kelch an ihre Lippen setzt.

11) Er ist die Freistatt banger Seelen,
die keinem Sünder ihren Schutz versagt.
Wen die betrübten Gräuel quälen,
wen Moses Fluch und Blutgerichte jagt,
den fängt er auf in seinen holden Schoß
und spricht ihn bald von Schuld und Strafe los.

12) Er ist der Stab und sichre Stecken,
an welchem wir zu seinem Himmel gehn.
Kommt Blitz und Strahl von allen Ecken,
so macht er, dass wir unbeweglich stehn.
Ist gleich der Grund so falsch, wie glattes Eis,
sein Name ist's, der uns zu halten weiß.

13) Er ist das Licht vor unsern Füßen,
wenn uns Ägyptens Nacht und Schatten deckt.
Wenn wir im Dunkeln tappen müssen
und uns der Feind mit tausend Larven schreckt.
Der Irrwisch weicht, der uns in Sümpfe führt,
wenn unser Geist nur diese Fackel spürt.

14) Er ist der Schild, der uns beschirmet,
der unser Herz in sichre Stille setzt.
Wenn es das schwarze Heer bestürmet,
so wird es nicht von dessen Pfeil verletzt.
Er legt den Frieden zur Besatzung drein,
drum kann des Höchsten Stadt gar ruhig sein.

15) Er ist der edle Stein der Weisen,
der kranken Seelen Trost und Arzenei.
Lasst andre ihre Pulver preisen:
sie halten nicht von Tod und Moder fei.
Sein edles Blut, die rote Goldtinktur,
erquickt den Geist, erfreuet die Natur.

16) Er ist das Brot, das Herrlich nähret,
wenn uns Ägypten Lauch und Zwiebel beut:
das Manna, das dem Hunger wehret,
wenn, arme Welt, dein Zahn die Treber käut.
Wer sich bei ihm an seine Tafel setzt,
dem wird das Herz mit süßer Kraft ergötzt.

17) Er ist ein Trank für matte Seelen,
ein Wasser, dem kein Wein an Kräften gleicht.
Die ihn zu ihrem Trank erwählen,
die fühlen bald, dass Angst und Kummer weicht,
und dass er mehr die Sinnen fröhlich macht,
als wenn man ihnen Nektar beigebracht.

18) Er ist das Kleid und das Geschmeide,
das unsrer Seelen Blöße deckt und ziert,
sie prangt in dieser reinen Seide
und wird als Braut in Himmel eingeführt.
In diesem Schmuck ist sie so wunderschön,
dass auch die Engel selbst entzücket stehn.

19) Er ist der Balsam, der die Wunden,
die Moses schlägt, gar sanft und lieblich heilt,
wofür man sonst kein Pflaster funden,
das wird durch ihn vertrieben und zerteilt.
Wenn unser Geist schon in der Ohnmacht liegt,
so wird durch ihn die bange Not besiegt.

20) Er ist der Anker, wenn die Wellen
dem kranken Schiff zu groß und mächtig sind.
Er kann es bald in Ruhe stellen,
wenn man ihn an das Seil des Glaubens bindt.
Er ist zugleich der Kompass und Magnet,
nach dessen Wink die Schifffahrt glücklich geht.

21) Wiewohl ich will den Abgrund gründen,
mein Bleiwurf ist zu kurz, das Meer zu tief.
Hier werd' ich keinen Boden finden,
drum ruf ich nur zuletzt, was jener rief:
'Er ist es gar!', sein holder Name gibt,
was unser Geist nur Gutes sucht und liebt.

Text:
Melodie: Dir, Dir, Jehova, will ich singen!