Des heilig hohen Gottes Sohn, dem Vater gleich    

1) Des heilig hohen Gottes Sohn,
dem Vater gleich am Leben,
begibt sich von dem Freudenthron
in's Tal, wo wir hier schweben.
So liebt er Adams Weltgeschlecht
und wird uns Knechten gleich ein Knecht:
uns frei zu jenem Schätzen,
die er verließ zu setzen.

2) Sein Ehrenkleid voll Glanz und Licht,
das legt er ab mit Freuden,
die Majestät behält er nicht,
die ihn pflag zu bekleiden.
Hingegen wird er um und an,
mit Haut und Adern angetan
und trägt, als Menschenkinder
Kleid, Form und Art der Sünder.

3) Er stirbt dem Himmelsleben ab
und sinkt geschwächt hernieder,
der Jungfrau Leib wird ihm ein Grab
und das belebt ihn wieder.
Und also muss sein reiner Schein
in reines Blut verscharret sein,
weil nach so reinem Leben,
was unrein sollte streben.

4) Der Engel-Chor hat bei der Nacht
mit freudenvollem Singen
dies Wunder an das Licht gebracht,
dass nichts als Licht kann bringen.
Der Hirten wachend' Einsamkeit
wird durch die Post zuerst erfreut,
durch die der Schlaf der Erden
recht abgewischt kann werden.

5) So war denn Mensch des Höchsten Kind
und trug der Sünder Bürde.
Damit der Mensch befreit von Sünd'
ein Kind des Höchsten würde.
Wenn ihn das Wort, das alles rührt
zum andern Leben neu gebiert,
indem er hier auf Erden
kann Gott gleichförmig werden.

6) Herr, gib, dass wir so niedrig sein,
wie sich dein Sohn gesenket,
mach uns wie jene Jungfrau rein,
die deine Lieb' umschränket.
Dass unser Herz ohn' Heuchelei
von Christi Leben schwanger sei
und die Geburt der Höhe
durch dich in uns entstehe.

7) Wenn nun dein Bild also gezeugt,
lass uns dein Regen fühlen,
damit wer nicht durch Lust gebeugt,
wie vor auf's Grab zu wühlen,
ertöt in uns, wohl dem nicht ist,
wie du ein Tod der Sünde bist
und lass das Wort vom Leben
uns Kraft zum Leben geben.

8) Ernähr uns durch das Himmelsbrot,
dass uns dein Wachstum gibet
zum Alter hin bis in den Tod,
den stets dies Leben liebet,
so wird die Fleischesgröße klein,
so werden wir wie Männer sein,
der Weltlust ganz entgangen,
die nichts als dich verlangen.

9) Wenn uns dein Samen so erfrischt
und wir dein Bild nur tragen,
so wird die Lust, die stets noch gischt,
sich nicht mehr an uns wagen.
Die Seele wird ganz unbefleckt
durch deines Geisters Trieb erweckt,
will eigne Kraft sich neigen,
die Kraft des Zeugers zeigen.

10) Und weil hier nur die Streitenszeit,
so hilf uns immer siegen,
bis wir ins Reich der Ewigkeit
aus dieser Tiefe fliegen.
Und dort erfahren in der Tat,
was hier dein Sohn versprochen hat:
dass wenn wir siegend sterben
wir alles sollen erben.

Text:
Melodie: Unbekannt